Mit Scalpen 100 Euro am Tag verdienen, geht das?

Einfach Antwort: Sicher.

Etwas genauere Antwort: Im Durchschnitt ja.

Trading-Neulinge machen oft den Fehler, dass sie Börse mit einem normalen Job vergleichen. 

Bei einem Job bekommst du einen Gehalt. Der bringt vielleicht 2000 oder 3000 Euro netto. Und du kannst dich auf diese Summe verlassen, die dir dein Arbeitgeber monatlich auf dein Konto überweist.

Es ist daher begreiflich, dass der Börsenneuling so schnell wie möglich eine ähnliche Summe durch traden „verdienen“ möchte. Aus dem Grund gibt es ja solche vielgestellten Fragen wie „Kann ich 100 Euro am Tag an der Börse verdienen?“

Das erste was der Börsenneuling lernen muss, ist, dass es kein gesichertes Einkommen gibt, sobald du die Börse betrittst. Das scheint selbstverständlich, und jedem, der man es erklärt, wird es einsehen. 

Es ist aber meine Erfahrung, dass man diese „Angestelltenmentalität“ nicht so ohne weiteres ablegen kann. Wenn du über Jahre, oft Jahrzehnte gewohnt warst ein festes Gehalt zu bekommen, dann versucht dein Unbewusstes, dieses durch deine „neue Tätigkeit“ zu ersetzen.

Die Wahrheit ist: An der Börse kannst du viel mehr verdienen als 100 Euro am Tag.

Oder viel weniger…

Und bekanntlich kann man auch Geld verlieren.

Theoretisch versteht das natürlich jeder.

Aber dein „inneres System“ akzeptiert diese banale Wahrheit nicht ohne weiteres.

Du musst also erst akzeptieren lernen, dass du an manchen tagen sehr viel verdienen kannst, und an anderen Tagen sehr wenig.

Und hier kommen wir zum Kern der Sache.

Natürlich kannst du 100 Euro am Tag mit Scalpen verdienen.

Nur halt nicht jeden Tag.

Am Montag verdienst du vielleicht 40 Euro, Am Dienstag, 450 Euro, Am Mittwoch verlierst du 150 Euro, und am Donnerstag gewinnst 160 Euro.

Und am Freitag, wirst du vielleicht fragen?

Kleiner Tipp am Rande: Trade nicht am Freitag.

Wenn du mitgerechnet hast, hast du von Montag bis Donnerstag insgesamt 500 Euro verdient. Bei fünf Handelstagen (Freitag mitgerechnet) wären das dann genau 100 Euro am Tag.

Genau das, was du wolltest.

Also nehme deine 100 Euro am Tag und lass es am Freitag bleiben.

(Ich habe nicht wenige Trader kennen gelernt, die am Freitag alles, was sie durch Fleiß und Konzentration bis Donnerstag erarbeitet hatten wieder verloren haben).

Vielleicht bist du die Ausnahme, die die Regel bestätigt?

Was du lernen musst, ist, dass die Gewinne an der Börse auf asymmetrischer Art kommen. 

Das heißt manchmal bringen deine Trades 1000 Euro in 5 Minuten und an anderen Tagen, trotz Stunden Anstrengung gar nichts (oder schlimmer…)

Schwierig oder?

Genau.

Und der eigentliche Lernprozess besteht für einen großen Teil darin, zu lernen, wann für dich Bonanza-Tag ist (der große Gewinn) und wann du besser die Finger stillhalten solltest.

Und das letzte ist natürlich das Schwierigste, was ein Börsen-Neuling lernen muss: Nichtstun.

Du hast gerade mit Begeisterung eine neue Methode gelernt. Vielleicht hast du ein Buch gelesen, oder im Internet etwas aufgeschnappt, und jetzt willst du das natürlich ausprobieren.

Leider verfügst du noch nicht über diesen inneren Gradmesser, wann die Zeit gekommen ist zu scalpen, und wann du besser darauf verzichten solltest.

Woher solltest du das auch wissen? Du musst es ja erst lernen.

Und man kann es eben nicht in einem Buch lernen.

Diese Erfahrung bekommst du nur durch das Tun.

Du musst erst einige Male am Freitag alle deine Wochengewinne wieder abgeben, bevor du die Disziplin aufbringst, an dem Tag besser mit dem Hund spazieren zu gehen.

Diese Art von Selbstbelohnung über das Erreichte ist wichtig.

Denn bekanntlich ist eine der schwierigsten Dinge mit dem Geld, es zu behalten.

Frage mal jemanden, der eine bestimmte Summe geerbt hat. Wie viel ist davon noch übrig nach 5 Jahren?

Die gleiche Frage gilt beim Traden: Wie viel von deinem Wochengewinn nimmst du mit ins Wochenende?

Und das ist natürlich der große Unterschied zum geregelten Job. Hier darfst du alles, was du verdient hast, behalten (oder ausgeben).    

Darum ist Börsenhandel auch so schwer. Mit dem Unterschied, dass du vielleicht eines Tages nicht 100 Euro, sondern 1000 Euro am Tag „verdienst.“

Aber dann befinden uns schon in einer ganz anderen Küche…

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