Die sogenannte Schuldenkrise

Wer ihn kennt, wünscht sich manchmal, er wäre immer noch unter uns… 

Die Rede ist vom großen Investor André Kostolany

1906 Budapest, Ungarn – 1999 Paris, Frankreich

 

Zu gern hätte ich gewusst, was er über die aktuelle Situation an den Finanzmärkten zu sagen hätte. 

Was würde er über den Schuldenstand aller westlichen (und vielen aufstrebenden) Ländern meinen? 

Was würde er zur Finanzkrise, zum Thema Gold und Silber usw. sagen oder schreiben?

Nun, André ist nicht mehr da, und eine ähnliche Größe kann ich beim besten Willen nirgends erspähen.

Aber wir haben natürlich seine Kolumnen, die in Form von Büchern erhalten sind. 

In einem dieser Bücher (... und was macht der Dollar? Im Irrgarten der Währungsspekulation, 1987, ECON Verlag) geht er ein auf die damalige Schuldenkrise von 1987, oder wie das Kapitel heißt: "die sogenannte Schuldenkrise."

Und jetzt wird es interessant: 

"Man kann nicht behaupten, dass die größten Schuldnerländer, Mexiko, Brasilien, Argentinien bankrott wären.", schreibt er. "Sie besitzen zwar immense Reichtümer (geologische) - aber sie haben kein Bargeld in der Tasche. Kapital und Vermögen ist nicht identisch mit Bargeld in der Tasche. Was würde nun geschehen, wenn diese Länder ihre Schulden nicht zurückzahlen könnten? ... denn so viel ist heute schon klar: Die Schulden werden nie beglichen. Also nichts würde passieren. Gar nichts."

Gar nichts.

Und weiter: 

"Trotz aller Gegenargumente wird weiterhin mit Worten wie Crash oder Zusammenbruch Panik verbreitet... Viele zitieren den amerikanischen Banken-Crash von 1933 ... aber heute ist ein Banken-Zusammenbruch nicht mehr möglich, da die Notenbanken frei darüber entscheiden, in welchem Umfang sie die Geldmenge ausweiten. Jeder Schuldner hat einen Gläubiger, und dieser Gläubiger ist der Schuldner eines anderen Gläubigers; der letzte Gläubiger am Ende der Kette ist die Notenbank. Sie ist niemandem schuldig und kann nicht pleitegehen, denn sie hat die Notenpresse in der Hand... Die Notenbank ist wie die Wacht am Rhein."

Ob er dies heute wieder schreiben würde? 

Dieser Chart hier unten stellt das Wachstum der Geldmenge im historischen Vergleich da (logarithmische Darstellung). Die Beschleunigung beim blauen Pfeil rechts, ist der Zeitpunkt der „Corona-Krise.“

Gar nichts wird passieren…

Wer weiß es.

Aber eines bin ich mir ziemlich sicher:

Kostolany wäre heute ordentlich in amerikanischen Aktien investiert. Und er hätte nach wie vor nicht viel übrig für Crashprofeten und diejenigen, die meinen, man soll sein ganzes Geld in Gold und Silber investieren, damit man vor dem kommenden Crash sicher ist.

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