Der ewige Crash an der Börse

Diesen Artikel habe ich vor sieben Jahren auf meiner alten Website veröffentlicht. Der Inhalt des Artikels ist heute nach wie vor gültig. Und den ewigen Shorter und Permabear gibt es natürlich auch noch, genauso wie die Crash-Propheten von damals, die uns den Untergang der Welt (der Börse) vorhersagten. Nichts davon hat sich ereignet…  

Blog-Artikel von 2014:


Zugegeben, es waren keine leichten Zeiten für Shortseller die letzten 3 Jahre. Systematisch wurden sie von den Bullen überrannt und immer wieder, wenn man dachte, höher gehts nicht mehr, kam das nächste All Time-High im DAX, Dow und Co. Und auch jetzt (12 August 2014), wo wir "etwas" Korrektur und etwas erhöhte Volatilität erleben, ist weiterhin ungewiss, ob diese paradiesischen Zeiten (ich meine für mich) zurückkehren. Ziemlich typisch für Leute, die ihre Börsen-Lehrjahre in den ersten Jahren nach 9/11 durchgemacht haben. Diese unsicheren, volatilen Zeiten, in denen jedem Dauer-Bulle endgültig den Garaus gemacht wurde.

Ich musste erst "lernen", DAX, Dow und Co in Schwächephasen zu kaufen und dann Gewinne mitzunehmen. Das war ein anderes Spiel als das, was ich gewohnt war (ich scalpe gerne Volatilität in allen Märkten). Und meine Anpassung hat zu lange gedauert. Es braucht von daher niemandem zu wundern, dass 2011-2014 nicht meine allerbesten Börsenjahre waren, ganz im Gegensatz zu 2008 oder 2011 zum Beispiel, wo die Märkte ordentlich nach unten gingen. Das war mein Spiel.

Der ewige Shorter (und Gold- und Silberbulle) musste wieder mal eine neue Lektion an der Börse lernen: Passe deine Strategien den Marktgegebenheiten an. Ich hatte noch nie richtige Bullenmärkten wie Ende der neunziger Jahre erlebt, in denen man einfach kauft und auf den Händen sitzen bleibt. Theoretisch wusste ich das natürlich. Aber... das heißt eben noch lange nicht, dass man dies auch praktisch umsetzen kann. Irgendwo in meinem Hirn saß eben ein Permabär (ein Permabär ist jemand, der immer negativ über die zukünftige Richtung der Märkte und der Wirtschaft im Allgemeinen ist, egal was passiert). Dem war das unentwegte Steigen der Märkte nie geheuer. Argumente für diese Haltung findet man auch genug.  

Der Glaube an dem ständigen Crash ist so eine Art Grundüberzeugung, und es ist schwer, ihn wieder loszuwerden. Und es ist auch eine sehr teure Überzeugung. Ein Blick auf die Longtermcharts genügt. Wie so oft sind solche Grundüberzeugungen auch ideologisch fundiert. Ich musste hart an mir arbeiten, um diese ewige Goldbullen, Fed-Hasser, Inflationsbeschwörer und sonstige Verschwörungstheoretiker in mir zu verscheuchen. All das vernebelt dir den Blick auf die Realität. Und die Realität war: die Märkte steigen!

Wenn dies vielleicht bei kleineren Korrekturen anders aussieht, und so manch Crash-Prophet zu glänzen beginnt, sollte man trotzdem nicht vergessen, dass die großen Marktumschwünge nicht so rasch von statten gehen. Warten wir es ab, ob irgendwann eine größere Korrektur kommt. Ich werde dann zu den Shortsellern gehören, wie es sich gehört als Trader. Und diesmal, das schwöre ich, wird mein innerer Umschwung schneller geschehen!

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